Über die von der Amadeu Antonio-Stiftung herausgegebene und vom Bundesfamilienministerium geförderte Broschüre „Ene, mene, muh - und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ ist eine öffentliche Debatte entbrannt und die Stiftung sieht sich massiven Bedrohungen ausgesetzt. Die Broschüre sollte dazu dienen, ErzieherInnen im Umgang mit radikalen oder rechtsextremen Aussagen und Verhaltensweisen in der KiTa zu unterstützen. Erläutert werden Gegenstrategien, die für alle Kinder in der Kita Vielfalt erlebbar machen: Demokratiepädagogik, vorurteilsbewusste und anti-rassistische Erziehung

Seiten aus kita internet 2018

"Schnüffel-Fibel"?

Die Kritik der von der BILD-Zeitung schon als „Schnüffel-Fibel“ diskreditierten Broschüre bezieht sich unter anderem auf einen angeblichen Generalverdacht gegen Mädchen mit blonden Zöpfen und Kleidern als aus einem „völkischen“ Elternhaus stammend. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) sagte der Präsident des Deutschen Lehreverbandes Heinz-Peter Meidinger: „Hier wird zu einer Gesinnungsschnüffelei aufgerufen, wie sie zuvor der AfD wegen ihres 'Lehrerprangers‘ vorgeworfen wird.“

"Vorwürfe lächerlich"

Die Amadeu Antonio-Stiftung nennt die Vorwürfe „lächerlich“ und hat dazu eine ausführliche Stellungnahme verfasst, in der sie auch die Versuche rechter Blogs darstellt die Broschüre zu diskreditieren: „Es geht um das Kindeswohl und nicht um blonde Zöpfe“.

Aber auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey stellt klar, dass die kritisierte Stelle lediglich aus einem Fallbeispiel stamme und keine Allgemeingültigkeit beanspruche.

Trotz aller Kritik steht auch der Bundesvorsitzende der Evangelischen Tageseinrichtungen, Carsten Schlepper, zu der Broschüre und hält sie für die Demokratieerziehung in der KiTa geeignet- Im Gespräch mit der NOZ führt er aus: „Dazu gehört in unseren Kindertageseinrichtungen, dass Kinder in teilnehmenden Prozessen lernen, sich mit Bedürfnissen und Wünschen der anderen auseinanderzusetzen, die eigene Meinung zu vertreten und zu begründen und die Meinungsbildung der Gruppe zu realisieren."

Zur eigenen Meinungsbildung können Sie die umstrittene Broschüre hier downloaden:

Download Broschüre
Karsten Herrmann
Unter der Koordination des Projektes „Chance Quereinstieg“ soll am 5. Juni 2019 ein bundesweiter Aktionstag zur „Klischeefreien Vielfalt in KiTas“ stattfinden. Dafür sollen ein starkes Bündnis geschmiedet (das nifbe ist auch dabei!) und viele Praxiseinrichtungen zum Mitmachen gewonnen werden.
csm 20110615 Maener in Kitas 3560 Maenner in kitas k cebc4f2405
Die Kindertagesbetreuung hat auch die Aufgabe, Kinder von Anfang an auf das Zusammenleben in einer demokratischen Gemeinschaft vorzubereiten und ihnen Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Respekt zu vermitteln. Doch wie kann das von Anfang an und schon mit den Kleinsten in der Krippe gelingen? Diese Frage beleuchtete eine Fachtagung des von den Wohlfahrtsverbänden, der AGJ und dem Bundesfamilienministerium getragenen Kooperationsprojektes „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ in Berlin.
plenum 535

Handreichung der Amadeu Antonio Stiftung zum Umgang mit Rechtspopulismus und Rassismus in der KiTa

Die Handreichung "Ene, mene, muh – und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik" für das Handlungsfeld Kindertagesbetreuung
reagiert auf neue Herausforderungen im Umgang mit Abwertungen, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus.
Im Rahmen der Fachtagung „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ (Bericht folgt) nahm Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Dienstag in Berlin auch Stellung zur Frühkindlichen Bildung allgemein und zum „Gute KiTa Gesetz“. Zunächst zollte sie den pädagogischen Fachkräften ein dickes Lob, da sie unter „oftmals schwierigen Rahmenbedingungen einen tollen Job“ machen würden. Sie unterstrich, dass KiTa und Kindertagespflege „pädagogische Bildungseinrichtungen“ sind und dass die Frühkindliche Bildung eine „nationale Bildungsaufgabe ist“.

Entsprechend werde mit dem Gute-KiTa-Gesetz unter dem Motto „Mehr Qualität und weniger Gebühren“ auch in die Zukunft investiert. Sie sprach sich dagegen aus, diese beiden Aspekte des Gesetzes gegeneinander auszuspielen, denn: „Wenn wir über Qualität reden, müssen wir auch über Zugänge reden“ und die seien in der jetzigen Situation nicht für alle Familien gegeben. Deswegen sollen mit dem Gesetz auch soziale gestaffelte Beiträge bzw. die Beitragsfreiheit für die finanziell Schwächsten mitfinanziert werden. In zehn Handlungsfeldern solle aber insbesondere auch die Qualität verbessert werden und hier, so Giffey, „muss eine bessere Fachkraft-Kind-Relation Priorität haben“. Aufgrund der sehr verschiedenen Ausgangslagen werde der Bund zu diesem Punkt individuelle Vereinbarungen mit jedem Bundesland treffen und perspektivisch sollten aber auch „bundesweite Standards“ ins Auge gefasst werden.

Fachkräfteoffensive angekündigt

Als zentrale aktuelle Herausforderung benannte Franziska Giffey aber auch den Fachkräftemangel und kündigte ab dem nächsten Jahr eine mit 40 Millionen Euro hinterlegte Fachkräfte-Offensive des Bundes an. Im Fokus stünden hierbei die vergütete praxisintegrierte Ausbildung, die Praxisanleitung und eine entsprechende Entlastung der Fachkräfte sowie die Durchlässigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten im KiTa-Feld.

In „Zeiten von Hetze, Hass und Populismus“ kündigte sie an sich mit Nachdruck für ein „Demokratiefördergesetz“ einzusetzen und versprach mit ihrem Berliner Charme: „Penetranz schafft Akzeptanz.“
Karsten Herrmann
Mit einer Petition setzt sich "Mittendrin e.V." für die Einführung eines Rechtsanspruches auf integrative Betreuung in wohnortnahen Kindertagesstätten in Niedersachsen ein. Die Petition hat folgenden Wortlaut:

WIFF-Tagung beleuchtet das Feld


Die Entwicklungen im deutschen KiTa-System sind in den letzten zehn Jahren von einer hohen Dynamik geprägt: Auf der einen Seite ein massiver quantitativer Ausbau insbesondere der U3-Plätze, auf der anderen Seite ein Ringen um qualitative Verbesserungen und zugleich immer höhere Ansprüche an die pädagogischen Fachkräfte - ohne dass sich die Rahmenbedingungen entscheidend verbessert hätten. Auf einem „Bilanzkongress“ nahm die WiFF diese Entwicklungen kritisch in den Blick und eröffnete Perspektiven aus Forschung und Praxis. Zugleich feierte die WiFF ihr zehnjähriges Bestehen und wurde unter anderem vom Ministerialdirigenten Dr. Stefan Luther aus dem BMBF zu einer „stolzen Bilanz“ beglückwünscht. Er kündigte auch eine Weiterförderung der WiFF an, um auch in Zukunft „zielgerichtet Forschungsbefunde in die Weiterbildung zu transferieren“.
Seiten aus WiFF Bundeskongress 2018

Anhörung im Bundestag


Das sogenannte Gute-Kita-Gesetz stößt bei Experten trotz prinzipieller Unterstützung für seine Zielsetzung auf viel Kritik und Zweifel.Dies wurde deutlich in einer öffentlichen Anhörung des Familienausschusses über den von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vorgelegten Entwurf eines "Gesetzes zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung" (19/4947) sowie bei dem von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eingebrachten Antrag "Qualität in der Kindertagesbetreuung verbindlich und dauerhaft sicherstellen" (19/5078).

WiFF- Expertise beleuchtet  Ziele, Strategien und Rolle der Träger


Über das Personalmanagement in Kitas ist bisher wenig bekannt: Wie handeln Anstellungsträger, um ihren Aufgaben als Personalverantwortliche für die Beschäftigten in ihren Einrichtungen gerecht zu werden? Welche Maßnahmen ergreifen und welche Strategien verfolgen sie, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern?

WiFF-Expertise analysiert aktuelle Entwicklungen


Im Zuge des enormen Ausbaus der Kindertageseinrichtungen wurden in den letzten Jahren die Aufnahme kapazitäten an den Fachschulen für Sozialpädagogik stark erhöht. Auch strukturell ist reorganisiert worden: Ausdifferenzierte berufsbegleitende Teilzeitmodelle und neue vergütete Ausbildungsformen sollen weitere Zielgruppen für die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher erschließen.