KiTa-Leitung als Schlüsselposition

Erfahrungen und Orientierungen von Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen

Die KiTa-Leitung steht im Fokus einer im Auftrag der Bertelsmann Stiftung von 2014 bis 2015 durchgeführten qualitativen Studie von Iris Nentwig-Gesemann, Katharina Nicolai und Luisa Köhler, zu der Sie im Folgenden die fachliche Einführung lesen. Die gesamte Studie können Sie unten downloaden.


Einführung

Die dynamischen Entwicklungen im System der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) und die damit verbundenen Qualitätsentwicklungs- und ProfessionalisierungProfessionalisierung|||||Eine Professionalisierung findet im weiteren Sinne statt wenn die Entwicklung einer privat oder ehrenamtlich ausgeübten Tätigkeit zu einem  Beruf wird. Im Rahmen der Professionalisierung werden häufig Qualitätsverbesserungen und Standardisierungen erreicht. Professionalisierung bedeutet auch die Entwicklung eines Berufs zu einer Profession, darunter wird meist ein akademischer Beruf mit hohem Prestige und Anerkennung verstanden.  sansprüche haben mit etwas Verzögerung schließlich auch dazu geführt, dass LeiterInnen von Kinder-tageseinrichtungen (KiTas) und ihre Tätigkeit ins Zentrum fachpolitischer und wissenschaftlicher Diskurse rücken: „Angesichts der hohen Ansprüche an Kindertageseinrichtungen wird den Leitungskräften fachpolitisch inzwischen eine Schlüsselposition im Hinblick auf die Integration der pädagogischen und organisationsbezogenen Anforderungen nach innen, die Vertretung der Kindertageseinrichtung nach außen sowie ihre zukunftsorientierte Weiterentwicklung zugewiesen“ (Autorengruppe Fachkräftebarometer 2014, S. 35; vgl. auch Strehmel & Ulber 2014; Deutsches Jugendinstitut/ Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte 2014).

Zunehmend wird anerkannt, dass es sich bei Leitung und Management von KiTas um einen eigenständigen Aufgabenbereich handelt und nicht etwa um ein „Nebengeschäft“ von „im günstigen Fall (...) anteilig und nur selten vollständig vom Gruppendienst“ freigestellten ErzieherInnen (Autorengruppe Fachkräftebarometer 2014, S. 35). Die Schlüsselposition der KiTa-Leitung ermöglicht und erfordert es, professionelle Verantwortung für die Entwicklung und Sicherung von Qualität zu übernehmen – sowohl auf der Ebene individueller pädagogischer Beziehungen als auch auf der institutionellen und gesellschaftlichen Ebene.


Leitungs Grafik

Leitziel gute Qualität

Ausgehend vom Leitziel, in KiTas eine möglichst gute Qualität der Trias von Erziehung, Bildung und Betreuung zu realisieren, agieren KiTa-LeiterInnen zum einen auf der Mikroebene der professionellen Gestaltung von Beziehungen zu Kindern, Eltern bzw. Familien und den Fachkräften in ihren Teams. Wenn sie einen Teil ihrer Arbeitszeit im Gruppendienst verbringen, gestalten sie unmittelbar Interaktionsqualität mit Kindern und Familien. Fällt dagegen die direkte Arbeit mit Kindern nicht in ihren Aufgabenbereich, so verantworten sie dennoch mittelbar, im Rahmen von Team- und Personalentwicklung, die pädagogische Qualität in ihrer Einrichtung. Leitungskräfte sind jedoch nicht nur Basis und Motor für Teamqualität und Organisationsentwicklung, sondern darüber hinaus auch ‚vermittelnde‘ Instanz zwischen einerseits den Erwartungen und Aufgaben, die von außen an KiTas herangetragen werden (z. B. durch den Träger, die Eltern oder auch die jeweiligen Bildungsprogramme/-pläne), und andererseits den pädagogischen Orientierungen und Praktiken in ihrer KiTa. Sie gestalten auf der kommunalen Ebene die Zusammenarbeit mit einem Träger, mit Kooperationspartnern sowie mit unterstützenden Angeboten im Sozialraum. Das gesamte Aufgabenfeld Leitung ist wiederum eingebettet in gesellschaftliche und politische Strukturen auf Länder- und Bundesebene sowie in fachliche Diskurse, an denen KiTa-Leitungen ebenfalls direkt oder indirekt beteiligt sind.

Arbeit an einer Schnittstelle
KiTa-Leitungen arbeiten damit an der Schnittstelle zwischen Betreuungs- und pädagogischem Auftrag sowie der Gestaltung pädagogisch-sozialer Beziehungen auf der einen Seite, strukturellen und organisationsspezifischen Bedingungen und Rahmungen auf der anderen Seite. Bereits im Kontext der sogenannten ‚Schlüsselstudie‘ (Viernickel et al. 2013) wurde mit Bezug auf ein systemisches Professionalisierungsmodell hervorgehoben, dass Rahmenbedingungen und organisationale (Unterstützungs-)Strukturen allein die Realisierung hochwertiger professioneller Praxis nicht gewährleisten können. Ebenso wenig können auf der anderen Seite die pädagogischen Kompetenzen und die professionelle Haltung von Fach- und Leitungskräften als einzig relevanter Qualitätsfaktor betrachtet werden (vgl. Viernickel, Nent-wig- Gesemann & Weßels 2014). Da die vielfältigen Aufga-benfelder von KiTa-LeiterInnen sich sowohl auf Menschen, Prozesse und Strukturen innerhalb des Mikrosystems KiTa beziehen als auch auf verschiedene Kooperationspartner außerhalb der Einrichtung (vgl. dazu Abb. 3 in: Strehmel & Ulber 2014, S. 17), wird ihnen eine „Katalysatorfunktion“ zugeschrieben: „zum einen zur Übersetzung der pädagogischen Orientierungsqualität und zum anderen zur Kanalisierung der strukturellen Ressourcen im Sinne einer guten pädagogischen Arbeit“ (ebd., S. 12).

Die im Folgenden zusammenfassend vorgestellten Ergebnisse eines einjährigen Forschungsprojekts (April 2014 bis März 2015) sind Teil einer Initiative der Bertelsmann Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, im Rahmen des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme vertiefte Er-kenntnisse über das Arbeitsfeld KiTa-Leitung zu gewinnen. Damit werden KiTa-Leitungen als eine der entscheidenden Akteursgruppen im System der FBBE anerkannt und wertgeschätzt. Da nur sehr wenige Forschungserkenntnisse über die aktuelle Situation von KiTa-Leitungen in Deutschland vor-liegen, zielte das hier vorgestellte qualitative Forschungsprojekt – im Sinne hypothesen- bzw. theoriegenerierender Forschung – auf die Generierung von empirischempirisch|||||Empirie bezeichnet wissenschaftlich durchgeführte Untersuchungen und Erhebung, die gezielt und systematisch im Forschungsfeld oder im Labor durchgeführt werden. Empirische Forschungen können durch verschiedene Methoden praktisch angewendet werden. abgesicherten Einblicken in und Erkenntnissen über das Arbeitsfeld KiTa-Leitung und die Leitungskräfte, die es gestalten.

Forschungsleitende Fragen in diesem Projekt waren:
  • Welche konkreten Erfahrungen machen KiTa-LeiterInnen in Deutschland in ihrer alltäglichen Leitungspraxis?
  • Was sind ihre zentralen Themen und Relevanzen?
  • Wo liegen konkrete Sorgen, Nöte und Bedarfe, Stärken und Ressourcen von Leitungskräften?
  • Wie gehen sie mit den Anforderungen und Erwartungen um, die aus dem Team und von außen an sie gerichtet werden?
  • Wie ist ihr professionelles Selbstverständnis, worin bestehen ihre Selbstansprüche und was sind ihre zentralen handlungsleitenden Orientierungen?
  • Lassen sich in Bezug auf die Erfahrungen und Orientierungen der befragten Leitungskräfte Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten, und womit hängen diese zusammen?


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