ver.di-Fachtagung in Kassel


Rund 40 Kita-Leiter*innen und stellvertretende Leiter*innen kamen jetzt in Kassel zusammen, um ihr Verständnis von Kita-Leitung und die Bedingungen, unter denen diese stattfindet, zu diskutieren. Die Kolleg*innen kamen aus dem ganzen Bundesgebiet von Neumünster bis München, von Köln bis Berlin.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Martina Meyer (Vorsitzende der ver.di-Bundesfachgruppe Sozial-, Kinder – und Jugendhilfe) die Anwesenden und betonte die Bedeutung, die die Kita-Leiter*innen für das System der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern und in ver.di haben.

Anschließend beleuchtete Dr. Elke Alsago, Referentin des ver.di Bundesvorstands und Leiterin der ver.di Fachstelle „Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit“ die aktuelle Situation der Kita-Leiter*innen. In ihren Ausführungen machte sie deutlich, dass Professionalität und Bedingungen für professionelles Handeln ausgehandelt wird. In den Arenen Staat, Öffentlichkeit und Arbeitsplatz sind sowohl die soziale Struktur und die kognitive Struktur der Tätigkeit auszuhandeln.

Zur sozialen Struktur gehören u.a. folgende Fragen:
  • Welches sind die formalen Voraussetzungen für die Übernahme von Kita-Leitung?
  • Wie ist die Kita-Leitung rechtlich verankert?
  • Wie viele Zeitressourcen sind durch die landesrechtliche Gesetzgebung vorgesehen?
  • Wie werden Kita-Leiter*innen bezahlt?
Unter kognitiver Struktur – auch als Binnenstruktur bezeichnet, sind u.a. folgenden Themen zu diskutieren:
  • Welches Wissen und welche Kompetenzen brauchen Kita-Leiter*innen?
  • Wie kann dieses erworben werden?
  • Wie kann und muss sich Kita-Leitungshandeln gestalten, um dem Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag der Kindertagesreinrichtungen gerecht zu werden.
Hierzu ist es notwendig, dass Kita-Leiter*innen sich selber in diese Diskurse einbringen und sich vertreten, damit sie nicht durch die Interessen von Kita-Trägern und Politik definiert werden.

Der Beruf der Kita-Leiter*in und der stellvertretenden Leiter*in lässt sich nur weiterentwickeln, rechtlich und finanziell absichern, wenn wir uns gemeinsam mehrdimensional dafür einsetzen.

Im Vortrag folgte dann eine Analyse der Ist-Situation und der aktuellen Herausforderungen vor denen Kita-Leiter*innen stehen. Realisierung der Rechtsansprüche und der Ausbau des Platzangebotes, wachsende Teams, längere Öffnungszeiten, Krippenausbau, Inklusion, Migration, An- und Umbaumaßnahmen, Digitalisierung sind, neben der alltäglichen Arbeit mit den Mädchen und Jungen und ihren Familien, zu bewältigende Aufgaben für die Leiter*innen von Kitas.
 

Handlungsklarheit und Freistellung


Anschließend folgte eine Arbeitsgruppenphase in drei Gruppen:

AG 1: „Verhältnis zwischen Träger und Kita-Leiter*innen und erste Ideen für ein Kompetenzprofil“ moderiert durch Toren Christians und Linda Sewald (beide Bundesfachgruppenvorstand SKJ)
AG 2: „Erwartungen an sich selbst als Kita-Leiter*in oder stellvertretende Leiter*in und an die Zusammenarbeit“ moderiert durch Martina Meyer und Vera Reinbold (beide Bundesfachgruppenvorstand SKJ)
AG 3: „Erwartungen der Kita-Leiter*innen und stellvertretenden Leiter*innen an ihre Gewerkschaft“ moderiert durch Dr. Elke Alsago
In allen drei Gruppen wurde heiß diskutiert. Im Plenum wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Toren und Linda präsentierten die Ergebnisse der AG 1 und arbeiteten heraus, dass es notwendig ist, in der Kita-Leitung klar zwischen den Aufgaben des Trägers und der Kita-Leiter*in zu unterscheiden. Hier sind deutliche Abgrenzungen vorzunehmen, damit Handlungsklarheit für die Kita-Leiter*innen entsteht und auch Verantwortungs- und Haftungsfragen deutlich sind. Wichtig ist auch, dass die stellvertretenden Leiter*innen endlich Zeitressourcen für ihre Tätigkeit bekommen und eine Entlastung von den Verwaltungstätigkeiten stattfindet, um sich dem pädagogischen Auftrag widmen zu können.

In Bezug auf das Kompetenzprofil erachtete die Gruppe die Handlungsfelder Konzeptionsentwicklung, pädagogische Personalführung, Teamentwicklung, pädagogische Spezialkenntnisse, soziologische und gesellschaftspolitische Grundkenntnisse und digitale Kompetenzen für wichtig. Notwendig ist auch die Praxiserfahrung, die durch eigenständige Tätigkeit im Berufsfeld vor Übernahme der Kita-Leitung erworben wurde. Für Aneignung des geforderten Wissens und der Kompetenzen sollten die Träger Fortbildungen anbieten und bestehende Angebote weiterentwickelt werden.

Personalmangel und Haftungsfrage

Die Ergebnisse der zweiten AG stellten Martina und Vera vor. Die AG hatte einen Schwerpunkt auf die Situation der stellvertretenden Leiter*innen in ihrer „Sandwich-Position“ gelegt. Unterschiede in der Ausstattung mit Zeitressourcen wurden sehr deutlich. Es ist dringend notwendig sich in den Ländern für mehr Leitungszeit in den Kitas einzusetzen, damit Leitungsteams gut zusammenarbeiten und die Einrichtung gemeinsam führen können.

Auch in dieser AG wurde die klare Aufgabenverteilung zwischen Träger, Kita-Leiter*in und stellvertretenden Leiter*in in Bezug auf Haftungsfragen diskutiert. Gerade die aktuelle Situation des Fachkräftemangels erfordert Handlungssicherheit. Die Leiter*innen müssen sich bewusst sein, dass sie für die Situation vor Ort einstehen und diese verantworten müssen, d.h. gibt es eine Unterbesetzung in den Gruppen müssen sie dafür sorgen, dass die tatsächliche Personalausstattung so ist, dass verantwortungsvoll mit den Kindern gearbeitet werden kann. Ist dies nicht gewährleistet, muss dies unverzüglich dem Träger gemeldet und ggf. Abhilfe geschaffen werden. In diesem Zusammenhang wurde auch noch mal eindrücklich von Kita-Leiterinnen auf die Bedeutung der Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen hingewiesen.

Die Ergebnisse der AG 3 stellte Dr. Elke Alsago vor. In dieser AG gab es unterschiedliche Themenschwerpunkte. Zunächst waren die Landesgesetze und Trägerzuständigkeiten in Bezug auf Leitungsaufgaben und Zeitressourcen mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen diskutiert worden. Im zweiten Teil wurde sehr konkret zum SuE Tarifvertrag gearbeitet. Hier gab es konkrete Ideen zur Weiterentwicklung der Eingruppierung der Leiter*innen und stellvertretenden Leiter*innen.

Betont wurde jedoch, dass Aufwertung der Berufe nicht nur durch finanzielle Aufwertung erfolgen soll, sondern die Arbeitsbedingungen und Leitungsressourcen genauso dazu gehören und dass es notwendig ist, sich in den jeweiligen Bundesländern dafür einzusetzen.

Abschließend sammelt die Gruppe Ideen für Strategien, um in der Öffentlichkeit auf die Situation in den Kitas aufmerksam zu machen und betonte die Notwendigkeit von regionalen Verbünden mit Eltern.

Am Ende des Tages waren sich die Teilnehmenden einig, dass die Diskussion der Kita-Leiter*innen weitergehen und in den Bundesländern und bundesweit geführt werden muss. Dazu ist die Vernetzung der Kita-Leiter*innen und der stellvertretenden Leiter*innen unabdingbar.



Nächste ver.di-Treffen für Kita-Leiter*innen und stellvertretende Leiter*innen:

Köln: Dienstag, den 09. Juli 2019, 17.15 bis 19.00 Uhr im großen Saal im 1. OG des DGB Haus Köln, Hans-Böckler-Platz 9, 50672 Köln. Ab 16:45 stehen im Raum für Teilnehmer*Innen ein kleiner Imbiss und Getränke zur Verfügung
Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bremen: Montag, den 30.09.2019, 09:30 bis 15:00 Uhr (Fachtag), Kosten: 50,- € Tagungspauschale (inkl. Verpflegung), im Intercity-Hotel, Bahnhofsplatz 17-18, Bremen.
Anmeldung: schriftlich Anmeldeformular an Fax: 0511 / 12 400-272

Hannover: am Mittwoch, den 02.10.2019 – genauere Informationen folgen

Geplant sind weiterhin:
Nürnberg und München
 
 
Download Vortrag

Link zur Überlastungsanzeige: http://www.verdi-gefaehrdungsbeurteilung.de/upload/pdf/130926Ueberlastungs-Anzeige_Leitung-Kita.pdf
 
Elke Alsago
 
Tipp zum Weiterlesen

Themenschwerpunkt KiTa-Leitung als Schlüsselposition