Häusliche Gewalt - ein Thema für die Kitas?!

Entwicklungsrisiken für Kinder und Resilienz fördernde Zugänge für in der pädagogischen Arbeit mit Mädchen und Jungen tätige Professionelle

Im Jahr 2018 wurden in der Bundesrepublik 140.755 Fälle von Gewalt in Beziehungen registriert. Davon waren 81,3% der Opfer Frauen. Das bedeutet, dass jedes vierte von fünf Opfern eine Frau ist und dass pro Tag durchschnittlich 312 Frauen Gewalt in der Partnerschaft erlebten, insgesamt wurden 2018 122 Frauen getötet (vgl. BKA 2019, S. 4-12). Sowohl Opfer wie Täter (68%) sind überwiegend Deutsche.
In vielen dieser gewaltgeprägten Beziehungen sind Kinder involviert, die nicht nur zu Zeug*innen dieser Gewalt werden können, wie die repräsentative Prävalenzsstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" bereits 2004 zeigte (vgl. BMFSFJ 2004: 277). Hier gab über die Hälfte der von Partnergewalt betroffenen Frauen an, dass Kinder in ihrem Haushalt lebten und dass ihre Kinder die Gewaltsituation gehört (57%) oder gesehen (50%) hätten. Kinder seien dabei selbst in die Auseinandersetzungen mit hineingeraten oder hätten versucht, die Befragten zu verteidigen (21-25%). Jedes zehnte Kind wurde dabei selbst körperlich angegriffen (vgl. BMFSFJ 2011: 7).
Das Miterleben häuslicher Gewalt kann für Mädchen und Jungen in den betroffenen Familien dazu führen, dass sie an dem Ort, an dem sie sich geborgen und geschützt fühlen sollten, eine Atmosphäre von Wut/ Hass bzw. Angst/ Verzweiflung spüren und sich in Folge oft hilflos, traurig, ohnmächtig oder sogar schuldig fühlen, weil sie der Gewalt nicht Einhalt gebieten können oder sich gar selbst als Auslöser für die Gewalt verstehen. Auch stellt das Miterleben von häuslicher Gewalt einen starken Risikofaktor für späteres Gewalterleben in der eigenen Partnerschaft dar (vgl. Kindler 2013) und es kann in Folge zu massiven Entwicklungsbeeinträchtigungen bei den Mädchen und Jungen führen. Mädchen und Jungen, die unter solch erschwerten Bedingungen aufwachsen, können in Folge ein spezifisches Risikoverhalten entwickeln. Zusätzliche Belastungsfaktoren wie z.B. die Suchtmittelabhängigkeit eines Elternteils, Armut oder aber eigene Misshandlungserfahrungen (Kindesmisshandlung) vermögen darüber hinaus das Kindeswohl zusätzlich zu beeinträchtigen.
Häusliche Gewalt kann also in vielfältiger Weise Einfluss auf die gesamte Familiendynamik nehmen und zur elterlichen Erziehungsüberforderung, mangelnder Fürsorge und Bindungsunfähigkeit bis hin zur Kindesvernachlässigung führen, oder aber mit inkonsistentem Erziehungsverhalten der Eltern einhergehen. Sie kann Beeinträchtigungen der Entwicklung von Mädchen und Jungen bewirken, mit denen diese in unterschiedlicher, geschlechtsspezifischer Weise umzugehen lernen (vgl. Enzmann 2002). Daher ist es wichtig, dass Mädchen und Jungen eine eigenständige Ansprache, die altersspezifisch und geschlechtsreflexiv ausgerichtet ist, erhalten und ihnen vermittelt wird, dass es Hilfe gibt und sie nicht alleine gelassen werden. Beschäftigte in Kitas sollten als erste außerhäusliche Sozialisationsinstanz um diese Zusammenhänge wissen, um den in diesen Familien aufwachsenden Kindern frühzeitig Unterstützung im Sinne des Kindeswohls und hinsichtlich ihrer ResilienzResilienz|||||Resilienz kann als "seelische Widerstandsfähigkeit" verstanden werden mit der Fähigkeit Krisen zu meistern und diese als Anlass für Selbstentwicklungen zu nutzen. In der Resilienzförderung geht es speziell darum die Widerstandsfähigkeit von Kindern und Erwachsenen in belasteten und risikobehafteten Lebenssituationen durch schützende Faktoren zu entwicklen, zu ermutigen und zu stärken. Ein verwandter Begriff ist der der Salutogenese.  (vgl. Henschel 2018; 2019) zu ermöglichen. Im Rahmen der Fortbildung, die sich als Einstieg in diese Thematik versteht, werden daher sowohl die mit häuslicher Gewalt verbundenen Entwicklungsrisiken wie auch Resilienz stärkende Schutzfaktoren, die die Entwicklung von Mädchen und Jungen zu unterstützen vermögen, in den Blick genommen.
Filme, Vorträge, Übungen und Diskussionen sollen dazu beitragen, dass die Fortbildung zur Sensibilisierung beitragen und als gewinnbringend für Multiplikator*innen und Praktiker*innen erlebt werden kann.




Referentin:
Prof. Dr. Angelika Henschel 
Fakultät Bildung, Leiterin des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik; C.1.321

LEUPHANA
Universität Lüneburg
Universitätsallee 1
21335 Lüneburg
Tel.: 04131/677-2370
Fax: 04131/677-1633
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


 

Veranstaltungsdetails

Nummer:KO-2020-12-10
Typ:Workshop
Beginn:10.12.2020 um 10:00 Uhr
Ende:10.12.2020 um 16:30 Uhr
Ort:0 Oldenburg
Gebühr:30.00 Euro
Anmeldeschluss:03.12.2020

Es sind noch Plätze frei.

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Kontakt

Name: Maria Korte / Sandra Pfohl
Institution: nifbe
Telefon:0541-58 054 57-0
Email: info@nifbe.de

Veranstaltungsrahmen

"Vielfalt leben und erleben! Chancen und Herausforderungen der Heterogenität" 2020/2021

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Mit der Workshop-Reihe bietet das nifbe im sechsten Jahr ein erprobtes Format für den Transfer... Weiterlesen